Burnout Prävention

Wie man aktiv Burnout Prävention betreibt, statt erst zu reagieren, wenn es bereits zu spät ist

Burnouts als Zustände geistiger, körperlicher und emotionaler Erschöpfung sind ein immer grösseres Thema mit riesigen Auswirkungen. Lange Ausfälle und Fehlzeiten, mit zusätzlichen Arbeiten belastete Kollegen, sinkende Arbeitsplatzbindung und steigende Krankentaggeld-Kosten für Firmen sind einige der Folgen davon.

Im Interview spricht Lioudmila Thalmann, Geschäftsführerin von InnoHub, mit Business-Coach Christiane Schneider. Schneider unterstützt Burnout-Klienten bei der beruflichen Wiedereingliederung und bei Schritten zurück in einen normalen Alltag. Im Interview diskutieren die beiden darüber, wie man effektiv Burnout Prävention betreibt, statt erst zu reagieren, wenn es bereits zum Schlimmsten gekommen ist.

Burnouts Verhindern, Burnout Prävention, Burnout Coaching

L. Thalmann: In der Schweiz leidet gemäss Zahlen des Job-Stress-Indexes (Galliker et al. 2018) fast jede vierte Person unter Stress am Arbeitsplatz. Zudem sind die Arbeitsabsenzen aus psychischen Gründen gemäss einem Artikel aus der NZZ am Sonntag zwischen 2012-2018 um 70% gestiegen, in 6 von 10 Fällen wegen Burnout oder einer Depression. Warum kommt es heute so häufig zu Burnouts, worin liegen die Ursachen und kann man diesen mit Burnout Prävention vorbeugen?

Lioudmila Thalmann

Lioudmila Thalmann

Betriebswirtschafterin, Geschäftsführerin InnoHub

C. Schneider: Heutzutage herrscht in der Wirtschaft ein hoher Wettbewerb, der mit Globalisierung, Digitalisierung und mit den Unsicherheiten an den Märkten zusammenhängt. Stress, stetiger Termin- und Leistungsdruck sowie ungelöste Konflikte am Arbeitsplatz sind dabei alltäglich.

Gemäss einer Studie des SECO (vgl. S. 131) gibt heute fast ein Drittel der Schweizer Erwerbsbevölkerung an, sich am Ende des Tages erschöpft zu fühlen, was sich längerfristig negativ auf das persönliche Wohlergehen niederschlagen und in einem Burnout münden kann, wenn nicht rechtzeitig mit Burnout Prävention gegengesteuert wird.

Dabei können gerade engagierte Mitarbeitende und Kader besonders stark gefährdet sein: Sie arbeiten viel, befinden sich «im Hamsterrad», stellen ihre Bedürfnisse hinter den eigenen Leistungsansprüchen zurück und ignorieren Warnsignale des Körpers.

Solche Warnsignale können permanente Müdigkeit und Erschöpfung, Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten und Ängste sein. Aber auch Leistungsabfall, persönlicher Rückzug und starke Stimmungsschwankungen bis hin zur Verzweiflung gehören in die Kategorie der Burnout Symptome.

Gemäss Experten stellt sich ein Burnout meist schleichend und in verschiedenen Phasen ein, weswegen Burnout Prävention von Anfang an wichtig ist. Nach dem Modell von Freudenberger und North verläuft ein Burnout in 12 Stadien, die finale Diagnose eines Burnouts erstellt am Ende immer ein Arzt.

12 Stadien hin zu einem Burnout nach Freudenberger & North:

Stadium 1: Der Zwang, sich selbst zu beweisen
Stadium 2: Verstärkter Einsatz
Stadium 3: Subtile Vernachlässigungen eigener Bedürfnisse
Stadium 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen
Stadium 5: Umdeutung von Werten
Stadium 6: Verstärkte Verleugnung der auftretenden Probleme
Stadium 7: Sozialer Rückzug
Stadium 8: Beobachtbare Verhaltensänderung
Stadium 9: Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit
Stadium 10: Innere Leere
Stadium 11: Depression
Stadium 12: Völlige Burnout-Erschöpfung


Weil sich dieser Zustand meistens schleichend über Monate oder Jahre hinweg einstellt, kann es am Ende zu spät sein, wenn nicht vorher mit aktiver Burnout Prävention Gegenmassnahmen ergriffen werden.

"Aus klare Warnsignale des Körpers sollte eher früher als später mit Burnout Prävention reagiert werden"

Christiane Schneider

Christiane Schneider

Business-Coach und Zentrumsleiterin am Standort Olten, InnoPark Schweiz AG

L. Thalmann: Diese Stadien bewusst vor Augen zu haben und eine Wahrnehmung für sich selbst zu entwickeln, ist ein erster wichtiger Schritt. Was können Privatpersonen und Firmen sonst noch tun, um aktiv Burnout-Prävention zu betreiben?

C. Schneider: Es gibt unterschiedliche Massnahmen, die der Burnout Prävention dienen. Das beginnt bereits bei kleinen Dingen im Alltag. Jede Person benötigt für eine effektive Burnout Prävention einen passenden Ausgleich, unabhängig davon, ob das nun der Ausflug in die Natur, das liebgewonnene Hobby, Auspowern beim Sport oder Kaffee trinken mit Freunden ist.

Zudem sollte es auch nicht nur am Wochenende Tage geben, an denen einmal keine Verpflichtung eingegangen wird und wo man nicht ständig erreichbar ist.

Um wirkungsvoll Burnout Prävention zu betreiben, sind auch entsprechende Kurse und Coachings zielführend: Ein Verhaltens-Coaching, das Erlernen von Entspannungstechniken, die Optimierung des eigenen Zeitmanagements, Kurse zu resilientem Arbeiten und eine Veränderung des Lebensstils können sehr effektiv sein, weil man dabei Inputs von Experten erhält und eingeschliffene Verhaltensmuster analysiert.

Auch die Unterstützung eines Psychotherapeuten kann beispielsweise bei belastenden Situationen in der Familie oder am Arbeitsplatz in Anspruch genommen werden, damit präventiv neue Wege aufgezeigt werden, bevor es zu spät ist.

 

L. Thalmann: Du hast gerade von belastenden Situationen am Arbeitsplatz gesprochen. Wie sieht es bei der Burnout Prävention in Unternehmen aus?

C. Schneider: Vor allem Unternehmen sollten der Burnout Prävention einen zentralen Stellenwert einräumen. Dies hat neben der Mitarbeiterfürsorge vor allem auch mit der Wirtschaftlichkeit zu tun.

Gemäss dem Job-Stress-Index der Gesundheitsförderung Schweiz aus dem Jahr 2018 beläuft sich der entstandene Schaden aus Produktivitätsverlust durch Stress auf 6.5 Milliarden Franken pro Jahr. Entsprechende Schäden im eigenen Unternehmen kann man vermeiden, indem man der gestärkten psychischen Gesundheit von Angestellten mittels Burnout Prävention Platz einräumt.

 

L. Thalmann: Wie können Unternehmen Burnout Prävention in den Alltag der Mitarbeitenden integrieren, gerade weil dem Leistungsdruck heute nicht nur die Mitarbeitenden, sondern auch die Organisationen selbst ausgesetzt sind?

C. Schneider: Als effektiv in der Burnout Prävention für Schweizer Unternehmen erweist es sich, die eigenen Mitarbeitenden mit Weiterbildungskursen zu Themen wie Burnout Prävention durch Resilienz und Konfliktmanagement oder durch das Ermöglichen von persönlichem Coaching zu unterstützen.

Dabei lernen diese, Stärken zu entwickeln und wirkungsvoll auf Druck zu reagieren, um Problemstellungen besser zu bewältigen. Zudem wird auch das eigene Zeitmanagement analysiert, um auf diese Weise Burnout Prävention zu betreiben.

Oft rühren Überlastungen nämlich aus dem ineffizienten Umgang mit der vorhandenen Zeit. Überfüllte Terminkalender, Arbeiten in den Pausen oder nach Feierabend – all das kann zu Stress führen. Nur wenn man hier genauer hinsieht, kommt man solchen Stressfaktoren gezielt auf die Schliche.

Ein entsprechender Zeitmanagement Kurs zur Burnout Prävention kann darüber nicht nur Aufschluss bringen, sondern neue Möglichkeiten aufzeigen, wie man das eigene Zeitmanagement optimiert und so gezielt Burnout Prävention betreibt.


L. Thalmann:
Gibt es noch weitere Möglichkeiten für die Burnout Prävention im Team?

C. Schneider: Burnout Prävention in Unternehmen lässt sich auf subtile Weise auch durch Teambildungsmassnahmen fördern, bei denen Mitarbeitende und Vorgesetzte mehr Vertrauen zueinander aufbauen.

Es gibt hier verschiedene Ansätze von gemeinsamen Wandertagen über Klettern bis hin zu Kochkursen und Schnitzeljagden. Explizite Teambildungsmassnahmen haben immer das Ziel, das WIR-Gefühl innerhalb eines Teams zu stärken und gegenseitig Verantwortung zu übernehmen. Dabei fällt es oft leichter, bestehende Herausforderungen am Arbeitsplatz anzusprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Auf diese Weise entwickelt sich eine verbesserte Kommunikation.

Besonders effektiv ist es natürlich, wenn diese Massnahmen mit den beschriebenen Mitarbeiterschulungen zu Burnout Prävention kombiniert werden. Wenn durch die Schulung eine Sensibilisierung und eine offene Gesprächskultur zum Thema geschaffen wurden, können die positiven Effekte von beidem ideal ineinander greifen.

Auf diese Weise können Firmen effektiv Burnout Prävention betreiben und zu vergleichsweise geringen Kosten nachhaltig mehr Freude und Produktivität im Alltag generieren.


L. Thalmann:
Trotz der grossen Auswirkungen wird das Thema in vielen Unternehmen in der Schweiz noch immer nicht genügend behandelt. Was können Angestellte in so einem Fall tun?

C. Schneider: Leider ist das bei vielen Unternehmen in der Schweiz und international immer noch so. Wenn das Thema innerhalb der Organisation nicht angesprochen wird oder dabei Hemmungen bestehen, können gefährdete Personen einen solchen Kurs oder ein entsprechendes Coaching auch privat buchen, um selbstständig Burnout Prävention zu betreiben.

Weil dabei lang erlernte Muster, Prozesse und Denkweisen verändert werden müssen, ist eine vertiefte Auseinandersetzung unter professioneller Anleitung in jedem Fall empfehlenswert. Sonst besteht die Gefahr, dass die gefährdete Person schnell wieder in ihre gewohnte Handlungsweise zurück verfällt.

 

"Burnout Prävention ist eine nachhaltige Investition in die eigene Gesundheit und in die der Mitarbeitenden"


Manchmal kann sich dabei auch ein Arbeitsplatzwechsel oder ein Branchenwechsel als beste Lösung zur Burnout Prävention erweisen, vor allem, wenn man seine Begeisterung verloren glaubt. Steht man vor einer beruflichen Abzweigung, ist es sinnvoll, eine Laufbahnberatung in Anspruch zu nehmen, um am Ende durch den Wechsel auch wirklich etwas zu verändern und nicht vom Regen in die Traufe zu geraten.

HR-Experten und Laufbahnberater leisten hier wichtige Unterstützung, um eine neue Karriereplanung auf den Weg zu bringen. Auch durch die Wiederentdeckung von Stärken, Fähigkeiten und Werten ist es möglich, neue Lebenskraft und Lebensqualität zu gewinnen, was ebenso eine Form der Burnout Prävention ist.

L. Thalmann: Vielen Dank Christiane für diese Inputs zu Burnout Prävention. Ich fasse zusammen: wenn Unternehmen ihre Mitarbeitenden mit Kursen, Mitarbeiterschulungen und Coaching zu Burnout Prävention fördern, führt dies zu einer Win-Win-Situation für das Unternehmen und die Mitarbeitenden, weil Arbeitsabsenzen und Krankheitskosten reduziert werden und motivierte Angestellte produktiver arbeiten.

Bei InnoHub finden Sie passende Kurse, Coaching und Schulungen zu Burnout Prävention (siehe unten).

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